Warum das globale LEI-System geschaffen wurde
Die globale Finanzkrise von 2008 offenbarte ein zentrales Problem: Den Finanzmärkten fehlte eine einheitliche internationale Methode zur Identifizierung juristischer Personen, die an Transaktionen beteiligt waren. Ein und dasselbe Unternehmen konnte in verschiedenen Ländern, Registern und Finanzsystemen unter unterschiedlichen Namen oder lokalen Kennungen auftreten. Diese Komplexität erschwerte es zu erkennen, welche Unternehmen miteinander Geschäfte tätigten, wie verschiedene Firmen zueinander in Beziehung standen und welches tatsächliche finanzielle Risiko ein einzelnes Unternehmen oder eine Unternehmensgruppe darstellte.
Nach der Krise erkannten Regierungen und Aufsichtsbehörden dringenden Handlungsbedarf. Sie machten die Schaffung eines globalen Systems zur Identifizierung juristischer Personen zur Priorität. Diese Forderung führte zur Entwicklung des Legal Entity Identifier (LEI), eines standardisierten 20-stelligen Codes, der die eindeutige Identifizierung jeder juristischen Person ermöglicht, die weltweit an Finanztransaktionen teilnimmt.
G20: Der politische Impulsgeber
Die G20 (Gruppe der Zwanzig) ist ein Forum für die Zusammenarbeit der größten Volkswirtschaften der Welt. Ihre Mitglieder erwirtschaften den überwiegenden Teil der weltweiten Wirtschaftsleistung und des internationalen Handels.
Nach der Finanzkrise von 2008 unterstützte die G20 die Schaffung eines globalen Systems zur eindeutigen Identifizierung juristischer Personen bei Finanztransaktionen. 2011 beauftragte die G20 das Financial Stability Board (FSB) mit der Entwicklung der Grundsätze und der Governance-Struktur für ein globales LEI-System. 2012 billigte die G20 anschließend die Empfehlungen des FSB, wodurch das Fundament für das Global Legal Entity Identifier System (GLEIS) gelegt wurde.
FSB: Der Architekt des Rahmenwerks
Das Financial Stability Board (FSB) ist eine internationale Organisation, die die Stabilität des globalen Finanzsystems fördert. Im Auftrag der G20 entwickelte das FSB das Governance-Modell und die Grundsätze des LEI-Systems.
Aus dieser Arbeit entstand ein internationales Rahmenwerk, nach dem sich das LEI Regulatory Oversight Committee (ROC), GLEIF und die LEI-Vergabestellen bis heute richten. Das FSB selbst vergibt keine LEI-Codes und bearbeitet keine LEI-Anträge von Unternehmen – stattdessen legte es die Standards fest, denen andere Institutionen folgen. Diese Trennung gewährleistet Unabhängigkeit und verhindert Interessenkonflikte in der Governance des Systems.
BIZ: Internationale Koordination der Zentralbanken
Die BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich), auch als Banque des Règlements Internationaux bekannt, ist die zentrale Organisation für die internationale Zusammenarbeit der Zentralbanken. Ihr Hauptsitz befindet sich in Basel, Schweiz.
Die BIZ unterstützt die Zusammenarbeit der Zentralbanken und bietet internationalen Finanzorganisationen eine Plattform für die Koordination von Wissen, Analysen und politischen Fragen. Die BIZ ist eng mit dem Financial Stability Board verbunden: Das Sekretariat des FSB ist in den Räumlichkeiten der BIZ in Basel angesiedelt. Diese Verbindung verankert das LEI-System in der umfassenderen internationalen Finanzarchitektur, die nach der Krise von 2008 entstand.
Die LEI-Infrastruktur: Die wichtigsten Organisationen
LEI ROC: Internationale Aufsicht
Das Regulatory Oversight Committee (ROC) beaufsichtigt das globale LEI-System auf internationaler Ebene. Zu seinen Mitgliedern zählen Behörden des öffentlichen Sektors aus aller Welt, darunter Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden und andere Regulierungsinstitutionen.
Das ROC stellt sicher, dass das LEI-System im öffentlichen Interesse arbeitet und international vereinbarte Grundsätze einhält. Wie das FSB vergibt auch das ROC keine LEI-Codes und bearbeitet keine Unternehmensanträge. Stattdessen beaufsichtigt es GLEIF, die zentrale Organisation des Systems, um Standards zu wahren und Interessenkonflikte zu verhindern.
GLEIF: Die zentrale Anlaufstelle des globalen LEI-Systems
Die Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF) wurde 2014 unter Federführung des FSB gegründet. Diese gemeinnützige Organisation mit Sitz in der Schweiz entwickelt das globale LEI-System weiter und sorgt für dessen Zuverlässigkeit, Zugänglichkeit und Datenqualität.
GLEIF akkreditiert LEI-Vergabestellen, sogenannte Local Operating Units (LOUs), und überwacht deren Einhaltung gemeinsamer technischer Standards und Datenqualitätsanforderungen. Darüber hinaus betreibt GLEIF den Global LEI Index, eine weltweit öffentlich zugängliche Datenbank, in der Nutzer nach juristischen Personen suchen und deren zugehörige LEI-Informationen einsehen können.
Die Aufgaben von GLEIF gehen weit über die Verwaltung des bestehenden Systems hinaus. So arbeitet die Organisation weltweit mit Aufsichtsbehörden, öffentlichen Institutionen und privaten Unternehmen zusammen, um die Verbreitung des LEI voranzutreiben. Dabei zeigt sie, wie ein einziger globaler Identifikator für juristische Personen die Identifizierung von Unternehmen, den Datenaustausch und regulatorische Prozesse vereinfacht. Zudem beteiligt sich GLEIF aktiv an regulatorischen Konsultationen und schlägt neue Anwendungsbereiche für den LEI in entstehenden Regulierungsrahmen vor. Die Entscheidung, den LEI in einer bestimmten Rechtsordnung einzuführen oder vorzuschreiben, liegt jedoch weiterhin bei den dortigen Aufsichtsbehörden und Gesetzgebern.
LOU: Offizielle LEI-Vergabestellen
Eine Local Operating Unit (LOU) ist eine von GLEIF akkreditierte Organisation, die zur Vergabe und Verwaltung von LEI-Codes berechtigt ist. Jede LOU überprüft, ob die im LEI-Antrag angegebenen Unternehmensdaten mit offiziellen Registerdaten übereinstimmen.
Zur Validierung der Daten greifen LOUs auf maßgebliche Registrierungsquellen zurück, etwa nationale Unternehmensregister und offizielle Registrierungsstellen, die von GLEIF anerkannt sind. Diese Quellen listet GLEIF in seiner Registration Authority List. Bekannte Beispiele sind das britische Companies House, das deutsche Handelsregister und ähnliche offizielle Datenbanken in bedeutenden Märkten.
Jede LOU trägt die Verantwortung für die Vergabe des LEI, die Datenvalidierung, die Verlängerung und die Datenqualität. RapidLEI von Ubisecure ist eine akkreditierte LOU, mit der LEI System zusammenarbeitet, um Kunden zu bedienen.
Registration Agent: Ihr Zugang zu LEI-Vergabestellen
Ein Registration Agent (RA) verschafft Unternehmen Zugang zum Netzwerk der von GLEIF akkreditierten LEI-Vergabestellen (LOUs). Über einen RA beantragen, verlängern und verwalten Unternehmen ihre LEI-Codes. Zudem können sie bei Bedarf einen bestehenden LEI zu einem anderen Dienstleister übertragen.
GLEIF führte das Registration-Agent-Modell ein, um LEI-Dienstleistungen für Unternehmen zugänglicher zu machen. Ein RA ist dabei weit mehr als ein einfacher Vermittler zwischen Kunde und LOU – er ist ein zentraler Baustein, um LEI-Dienstleistungen weltweit für Unternehmen verfügbar zu machen.
Der Mehrwert eines Registration Agent liegt vor allem in der Infrastruktur und den Dienstleistungen, die er seinen Kunden bietet. Ein RA stellt eine Webplattform bereit, über die Kunden bequem LEIs beantragen und verwalten können, erfasst und übermittelt die erforderlichen Antragsdaten, automatisiert Prozesse, bietet lokale Zahlungsmethoden und Kundensupport und unterstützt Unternehmen bei der Verwaltung ihrer LEIs über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
Diese Arbeitsteilung bringt klare Vorteile mit sich. Die LOU konzentriert sich auf die offizielle Datenvalidierung und die Vergabe des LEI und stellt dabei die Einhaltung der Anforderungen des globalen LEI-Systems sicher. Der Registration Agent wiederum macht LEI-Dienstleistungen für Unternehmen einfach und nutzerfreundlich.
LEI System fungiert als Registration Agent, und stellt Unternehmen eine technische Plattform sowie Kundensupport für LEI-Anträge, -Verlängerungen, -Übertragungen und -Verwaltung zur Verfügung. Die offizielle Vergabe des LEI erfolgt dabei stets durch die von GLEIF akkreditierte LOU.
Wie die LEI-Registrierung in der Praxis abläuft
Wenn ein Unternehmen über LEI System einen LEI-Code beantragt, läuft der Prozess in der Regel wie folgt ab:
Das Unternehmen reicht bei LEI System einen LEI-Antrag ein.
LEI System leitet den Antrag an seine Partner-LOU weiter.
Die LOU überprüft die übermittelten Daten anhand maßgeblicher Registrierungsquellen in der jeweiligen Rechtsordnung.
Sobald die LOU die Daten validiert hat, vergibt sie den LEI-Code.
LEI System übermittelt die LEI-Daten an das globale LEI-System.
Der LEI-Datensatz wird über den Global LEI Index von GLEIF weltweit öffentlich auffindbar.
Der LEI-Code selbst bleibt dauerhaft bestehen. Der 20-stellige LEI eines Unternehmens ändert sich nicht, selbst wenn das Unternehmen den LEI-Dienstleister oder die LOU wechselt.
Die zugehörigen LEI-Daten müssen jedoch regelmäßig aktualisiert werden. Unternehmen müssen ihre LEI-Daten mindestens einmal jährlich neu validieren lassen, um deren Aktualität und Zuverlässigkeit sicherzustellen. Dieser jährliche Verlängerungsprozess gilt einheitlich für alle Rechtsordnungen und LEI-Dienstleister.
Wie das System zusammenhängt
Das LEI-Ökosystem lässt sich als eine miteinander verbundene Kette darstellen:
G20 → FSB → LEI ROC → GLEIF → LOU → Registration Agent → Unternehmen
Die G20 gab den politischen Anstoß zur Schaffung des LEI-Systems. Anschließend entwickelte das FSB dessen internationales Rahmenwerk, wobei die Arbeit des FSB eng mit der internationalen Zusammenarbeit der Zentralbanken rund um die BIZ in Basel verknüpft ist. Das LEI ROC übernimmt daraufhin die regulatorische Aufsicht über das System. GLEIF wiederum entwickelt und koordiniert das globale LEI-System und treibt zugleich dessen Verbreitung voran. Parallel dazu validieren LOUs die Daten und vergeben die LEI-Codes. Registration Agents wie LEI System schließlich schaffen die Infrastruktur und Dienstleistungen, die es Unternehmen leicht machen, LEIs zu beantragen, zu verlängern und zu verwalten.
Warum der LEI wichtig ist
Der LEI ermöglicht die eindeutige Identifizierung juristischer Personen über verschiedene Länder, Register und Finanzsysteme hinweg mithilfe eines einzigen globalen Identifikators. Diese Fähigkeit hat die globale Finanztransparenz grundlegend verändert.
Banken, Investmentfirmen, Aufsichtsbehörden und andere Marktteilnehmer erkennen heute, welche juristischen Personen an Transaktionen beteiligt sind und wie verschiedene Unternehmen zueinander in Beziehung stehen. Diese Klarheit ermöglicht eine bessere Risikobewertung und Regulierungsaufsicht auf internationalen Märkten.
Im Laufe der Jahre wurde der Einsatz des LEI in zahlreiche Finanzmarktregulierungen weltweit integriert. So verlangt beispielsweise die Europäische Union den LEI für die Transaktionsmeldung nach MiFID II und MiFIR sowie in mehreren weiteren regulatorischen Prozessen.
In den Vereinigten Staaten war die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) die weltweit erste Aufsichtsbehörde, die 2012 die Verwendung des LEI bei der Meldung von Derivattransaktionen vorschrieb. Heute findet sich der LEI in zahlreichen US-amerikanischen Regulierungsrahmen wieder. Der Foreign Direct Investment Risk Review Modernization Act (FDTA) ist ein Beispiel für eine solche jüngere Vorgabe.
In Indien hat die Reserve Bank of India (RBI) die LEI-Pflicht schrittweise auf zahlreiche Bereiche ausgeweitet, darunter Derivate, Wertpapiere, Geld- und Devisenmärkte, große Unternehmenskredite sowie hochvolumige inländische und grenzüberschreitende Zahlungen. Zudem nutzt Indien den LEI auch zur Identifizierung ausländischer Portfolioinvestoren.
LEI-Anforderungen bestehen auch in zahlreichen weiteren regulatorischen Kontexten, etwa in Australien, Kanada, Japan, Singapur und vielen anderen Ländern. Diese weltweite Verbreitung zeigt, wie sich der nach der Finanzkrise von 2008 geschaffene Identifikator zu einem globalen Standard für die Identifizierung juristischer Personen im Finanzsystem entwickelt hat.
Der ursprüngliche Zweck des LEI bestand darin, das globale Finanzsystem transparenter zu machen und Risiken effektiver erkennbar zu machen. Heute hat er sich zweifellos zu einem weltweit anerkannten Standard für die Identifizierung juristischer Personen entwickelt.
Häufig gestellte Fragen
Können nur Banken und Finanzinstitute einen LEI erhalten?
Nein. Der LEI wurde nicht ausschließlich für Banken konzipiert. Verschiedenste Arten juristischer Personen können einen LEI erhalten, darunter Unternehmen, Banken, Investmentfonds, Versicherungen, Stiftungen und andere Organisationen, die die Voraussetzungen für die Vergabe erfüllen.
Ob ein LEI für eine bestimmte Organisation verpflichtend ist, hängt von ihren Tätigkeiten, Transaktionen und den geltenden Vorschriften ab. Sollten Sie unsicher sein, ob Ihre Organisation einen LEI benötigt, wenden Sie sich an Ihre zuständige Aufsichtsbehörde oder kontaktieren Sie LEI System, um Ihre Situation zu besprechen.
Was passiert, wenn ein LEI nicht verlängert wird?
Unternehmen müssen ihre LEI-Daten mindestens einmal jährlich aktualisieren. Bei der Verlängerung validiert die LOU die mit dem LEI verknüpften Unternehmensdaten erneut anhand offizieller Registrierungsquellen, um deren Richtigkeit und Zuverlässigkeit sicherzustellen.
Verlängert ein Unternehmen seinen LEI nicht bis zum Ablaufdatum, ändert sich der Registrierungsstatus in LAPSED. Dieser Status bedeutet im Kern, dass die zugehörigen LEI-Daten nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist erneut validiert wurden. Der LEI-Code selbst verschwindet oder ändert sich dabei jedoch nicht, und der LEI-Datensatz bleibt im Global LEI Index weiterhin öffentlich einsehbar.
Ein LAPSED-LEI kann zu Problemen führen, wenn eine Bank, ein Broker, eine Investmentfirma oder ein anderer Marktteilnehmer einen aktuellen LEI verlangt. Ein LAPSED-LEI lässt sich jedoch problemlos verlängern: Sobald das Unternehmen die Daten erneut validiert, wird der Status wieder auf aktiv gesetzt. Das Unternehmen behält dabei denselben LEI-Code.
Fallen für die Vergabe eines LEI-Codes Gebühren an?
Ja. Die Vergabe und Verlängerung eines LEI sind kostenpflichtige Dienstleistungen. GLEIF selbst verkauft dabei keine LEI-Codes an Unternehmen. Stattdessen tragen die von GLEIF akkreditierten LOUs die Verantwortung für die Vergabe des LEI und die offizielle Datenvalidierung. Zudem bieten Registration Agents, wie LEI System, Unternehmen LEI-Dienstleistungen direkt an und verbinden Kunden mit dem Netzwerk der von GLEIF akkreditierten LEI-Vergabestellen.
Ein Registration Agent stellt seinen Kunden die Infrastruktur und Dienstleistungen zur Verfügung, um LEIs zu beantragen, zu verlängern, zu übertragen und zu verwalten. Die mit dem Registration Agent zusammenarbeitende LOU übernimmt dabei die offizielle Vergabe und Validierung des LEI.
Jeder Dienstleister legt die Gebühren für die Vergabe und Verlängerung des LEI eigenständig fest. Dadurch ermöglicht das globale LEI-System einen Wettbewerb unter den Anbietern, sodass Unternehmen einen LEI-Anbieter wählen können, der ihren Anforderungen und ihrem Budget entspricht. Starten Sie noch heute Ihre LEI-Registrierung oder verlängern Sie einen bestehenden LEI bei LEI System.
